An der Kasse #29

von veronicadotter

Der aufmerksame Leser wird wohl mittlerweile schon mitbekommen haben, dass eine durchschnittliche Kassiererin mit einigen speziellen, vielleicht “ anspruchsvollen“ Kunden zu tun hat. Nun soll sie trotzdem die Haltung wahren, immer.

Was zählen billige Anmachsprüche, unfreundliche Kommentare und rüpelhafte Anschuldigungen? Die gute Kassierkraft wird weiter lächeln und nicken und hat währenddessen riesiges Kopfkino laufen. Oh ja.

Meine 3-Top-Fantasien, wenn Kunden „anspruchsvoll“ sind:

1. Der Kunde beleidigt mich, weil es keine Frischmilch mehr gibt („Die teure ist da, aber nicht eure Eigenmarke! Das ist doch Strategie!“)

Ich springe auf, reiße die Milch auf und schütte sie dem Kunden mit einem verrückten Lachen über den ganzen Körper. Ich lasse sie über die gegelte Frisur laufen, in den Kragen und auf die Lederschuhe und dann bewerfe ich ihn Vogelfedern, die zufällig in meiner Jackentasche lagen.

Dieses Szenario ist mit sämtlichen Lebensmitteln zu verwirklichen, die Federn sind auch nur eine spontane Eingebung.

2. Der Kunde ist unzufrieden mit der Kassierleistung („Können Sie nicht schneller machen? Warum sind Sie so schnell? Hat Ihnen niemand Mathe in der Schule beigebracht? Warst du überhaupt auf der Schule?“)

Ich schiebe mich samt Stuhl vom Kassierpult weg, erhebe mich majestätisch und zeige auf den leeren Platz. Währenddessen stapeln sich die Wägen am Ende des Bandes, die Kunden werden laut, scharren mit den Rollen ihrer Gefährte, drohen vor Ungeduld zu zerbersten. Dann bitte ich den Kunden, ganz einfach, sich selbst abzukassieren. Denn er kann das besser, weiß, wie das Kassensystem funktioniert und darf dann auch gleich seine Waren einpacken. Und habe ich es schon erwähnt? Jeder doppelt gescannte Artikel bleibt im System und muss bezahlt werden. Keine Stornos! Viel Spaß!

3. Der Kunde bringt irgendeinen dummen Spruch, hält sich für lustig und ist somit schon der 100. des Tages (Kein Kommentar dazu)

Ich stehe auf, schreie, schreie lauter, werfe alle Artikel auf den Boden (am liebsten Mehl) und laufe herum und fange an zu rennen und ignoriere sämtliche Kunden. Vor allem aber schreie ich und renne ich. Das stelle ich mir sehr befreiend vor.

Advertisements