An der Kasse #32

Der Einkaufswagen ist ein vielseitig zu verwendendes Hilfsmittel: Kinder benutzen es als Turn- und potentielles Unfallgerät, manche Kunden planen, ihren gesamten Haushalt mit in den Supermarkt zu bringen (Taschen, Körbe, Trolleys, Tüten, das Leergut, das eigentlich im Eingangsbereich abgegeben werden sollte, Müll von Zuhause wie Cornflakes-Verpackungen und Schokoriegelpapier, mehrere Jacken, Schals und Taschen…), der Einkaufswagen als Mülleimer! Das Verhältnis der Kunden zu den Wägen, diese Hass-Liebe, diese einseitige Nutzbeziehung und vor allem, die Arten Waren in das Gefährt zu laden (denn dazu sind sie eigentlich da), trägt des Öfteren zur Belustigung der Kassierkraft bei. Und es gibt eine Menge verschiedene Arten Lebensmittel und Co. in den Einkaufswagen zu verfrachten, hier nur eine beliebte Auswahl:

Da gibt es  zum Großteil die „Hektiker“.
Als wäre es nicht schon stressig genug, in einem riesigen (Größe ist Ansichtssache) Discounter vorbei an den unzähligen Putzwägen und Warenpaletten zur Kasse zu kommen (laut Kunden), nein! Da wird auf das Band geladen, was das Zeug hält (diesem Verhalten gebührt allerdings ein eigener Beitrag), schnell, schneller und sobald die Ware den Scanner mit einem piep überquert hat, wird danach gegrapscht, als würde darum gekämpft werden, das Raum-Zeit-Gefüge außer Kraft zu setzen. Bruchschäden und aufgeplatzte Joghurtbecher werden zwar nur ungern in Kauf genommen, aber Opfer muss der Kunde bringen.
Der Einkaufswagen: ein Schlachtfeld, Joghurts, Quark, frische Erdbeeren werden zerquetscht von riesigen Mengen Billigfleisch und Bierdosen aus dem Angebot. Hauptsache, das Wettrennen gegen die Superkräfte der Kassierkraft wird gewonnen. So schnell diese Kunden kommen, so rasch sind sie auch wieder verschwunden, wenn man Glück hat. Der Bezahlvorgang ist für manche von ihnen nämlich eher eine langsame Angelegenheit, schließlich muss doch irgendwann auch Luft geschnappt werden.

Vom unordentlichen Einkaufswagen zu den „Systematischen“. Das sind die Ordnungsfreaks unter den Kunden, die die sich im Kopf schon einen Plan gezeichnet haben, welches Produkt in welche Ecke in welchem Winkel und zu welchem Zeitpunkt eingeräumt werden soll. Das braucht Zeit und der Lebenspartner hat da seine Finger vom Wagen fernzuhalten, die Situation könnte sonst eskalieren: Ehekrach, lautstark an der Kasse. Ja, bitte, ist immer unterhaltend.

Diese Kunden sind in der Regel ebenfalls sehr gestresst, durchqueren doch ständig Begleiter und Kassierkräfte die  penibel geplante Konstruktion. Wir sind zu schnell, greifen  nicht zum richtigen Zeitpunkt nach dem gewünschten Produkt… Eine Tortur für beide Seiten.

Die „klugen Köpfe“ (das sind die Kunden, die ihren gesamten Hausstand mit in den Markt bringen) denken sich: warum nicht gleich meinen ganzen Einkauf in Tüten und Körbe packen? Dann muss ich das nicht mehr beim Auto oder zwei Minuten später am Rand des Ganges machen?“
Sie kosten Zeit, sind mit der Kassiergeschwindigkeit unzufrieden und packen erst alle Waren ein (und die stapeln sich natürlich auf der Ablagefläche), bevor sie bezahlen. Ja, sie kosten Zeit und Nerven. Mehr will ich dazu nicht schreiben.

Apropos, es gibt da eine bestimmte Kundin, die ist immer gestresst, ihre Nerven liegen blank (und zwar sowohl die in ihrem Kopf als auch die in ihrem Rücken, klagt sie doch ständig über Schmerzen).
Sie ist eine Kombination aus „klugem Kopf“, und „Systematikerin“. Nur beide Typen zugespitzt: z.B. immer eine Mischung aus Kästen aus dem Markt (muss 1,50€ Pfand dazu berechnet werden) und eigenen Kästen, Körben als Transportmittel. Dieses System erklärt sie umständlich und in weinerlichem Ton, ohne dabei Waren einzupacken. Die Ware türmt sich also währenddessen vor ihr auf, sie wird weinerlicher, die Schlange an der Kasse länger, die Kunden ungeduldiger und sie droht zu einem laufenden Nervenzusammenbruch zu werden. Und das jeden Monat einmal. Danke.